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Neue Wege

Ende Juni hatte es mich nach Kirchhain/Hessen verschlagen, in die heiligen Hallen des Bieneninstitus des Landesbetriebs Landwirtschaft Hessen. Auf der Suche nach neuen Wegen in der Varroabehandlung war ich auf das Tagesseminar "Biotechnische Varroabekämpfung" aufmerksam geworden, welches mich sehr inspiriert hat und von dem ich Euch gerne berichten möchte.

 

Zunächst einmal: Kirchhain ist ein sehr grünes, sauberes und etwas verschlafenes Nest im Marburger Land. Wenn man direkt aus der Großstadt kommt, fühlt man sich leicht verloren, aber als ehemaliges Landei lasse ich mich immer wieder gerne auf das etwas gemächlichere Tempo der Provinz ein. Kaffeetrinken und Rieseneisbecher wegputzen, damit habe ich meinen Besuch in Kirchhain begonnen.


Das Seminar war ausgebucht und begann am Morgen mit dem Theorieteil, welcher schnell klar machte, was die Geheimwaffe im Kampf gegen Varroa ist: die Brutpause.

Nicht nur im Winter, wenn die Bienen bei tiefen Temperaturen "aus der Brut gehen" und die Milbe somit keine Möglichkeit der Vermehrung hat. (Der Imker freut sich über klirrend kalte Winter, je kälter und länger, umso besser.)

Auch im Sommer sollte jedes Volk eine ca. 4-wöchige Brutpause durchlaufen, um die Milbe in ihrer Reproduktion zu stören.  Je nach Befall und Volksstärke kann dies sogar 2 mal durchgeführt werden, einmal im Frühjahr und dann wieder im Spätsommer.

 Normalerweise sorgen die Bienen durch das Schwarmverhalten selber für die Brutpause. Das Volk teilt sich, die alte Königin fliegt aus, und ca. 4 Wochen später legt ihre Nachfolgerin die erste neue Brut. Der Schwarm wird jedoch von den meisten Imkern verhindert, um keine Einbußen in der Honigernte "erleiden" zu müssen.

Und die Milbe freut sich...


Dr. Ralph Büchler und Ausbildungsberater Christian Dreher stellten 3 biotechnische Maßnahmen im Kampf gegen Varroa vor: Die totale Brutentnahme (TBE), das Bannwabenverfahren und das Käfigen der Königin. Je nach persönlichen Voraussetzungen und Zielsetzungen gibt es für jeden Imker die passende Lösung.

Will ich meinen Bestand vergrößern oder lieber nicht? Bin ich in der Lage die Königin zu finden oder eher nicht? Kann ich sie sicher anfassen oder laufe ich Gefahr sie zu verletzen ? Möchte ich auf den Einsatz auch von "sanften" Medikamenten, wie etwa Milchsäure, verzichten?

Je nachdem wie die Antworten ausfallen, kristallisiert sich eine der drei Möglichkeiten als die passende heraus.

Eine Bannwabentasche.


Nach der Mittagspause ging es dann an den Lehrbienenstand des Institus, zu Fuß vorbei an lauschigen Streuobstwiesen.

Am Ziel angekommen erwartete mich dann der Bienenstand meiner Träume. Ein riesiges Gelände mit altem Baumbestand und einer sehr komfortablen großen Lagerhütte. Rund 20 Völker und zahllose Begattungskästchen standen verstreut auf dem Gelände.

An verschiedenen Völkern wurden dann die 3 Behandlungsmaßnahmen durchgeführt, was noch zu manchem Aha-Effekt führte.


Kurz nach dem Seminar habe ich an einigen meiner Völker ebenfalls die totale Brutentnahme mit anschließender Fangwabe durchgeführt. Der Milbenbefall war zuvor noch moderat, so dass ich einen Sammelbrutableger, bzw. Brutscheune gebildet habe, und diese einem meiner Imkerschüler gegeben habe. Dieser hat sich wie ein Schneekönig über sein neues Volk gefreut.

Nun bin ich sehr gespannt über die weitere Entwicklung der Bienen. Wird diese Behandlung ausreichen? Wird es eine Reinvasion geben? Muss ich doch nochmal mit Ameisensäure behandeln? Ich werde berichten.