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Durchlenzung

Jetzt im Frühjar - im Lenz - vollzieht sich die sogenannte Durchlenzung des Bienenvolkes, der große Massenwechsel vom Wintervolk hin zum Sommervolk. Eine faszinierende und kritische Phase, die vor allem von einer ausreichenden Futterversorgung abhängt. Die letzten Depots der Wintervorräte gehen nun allmählich zuende, die Natur liefert hoffentlich ein erstes Nahrungsangebot. Vor allem Pollen wird nun dringend benötigt für die Aufzucht der ersten Generation an Sommerbienen. Weiden und Schlehen sind jetzt wichtige Pollenlieferanten und gehören zu den ersten großen Trachten im Jahr.

Die Zeit der langlebigen Winterbienen geht nach rund sechs Monaten nun allmählich zu Ende. Sie mobilisieren ihre letzten Reserven, um das Bienenvolk zur Trachtstärke zu bringen. Die Arbeiterinnen haben das Volk und seine Königin bereits durch den Winter gebracht und jetzt, zu Beginn des Frühlings, endet ihre Aufgabe. Rund um den Bienenstock finden sich nun die entkräfteten und verendeten Winterbienen. Ein Anblick, der wehmütig macht und gleichzeitig den endlosen Kreislauf von Werden und Vergehen in der Natur aufzeigt. Denn nichts geht verloren. Für andere Tiere, wie etwa die Ameisen-Umweltpolizei, dienen sie widerum als Nahrung für die eigenen Nachkommen.

Nur wenige Meter weiter steht das Muttervolk und startet kraftvoll und tosend in den Frühling. Die Vitalität und Lebenslust ist schon im Abstand von einigen Metern zu hören. Jeder Sonnenstrahl wird genutzt, kaum reißt die Wolkendecke auf, sind sie da, die Sammlerinnen, die unermüdlich den Pollen heranschleppen.

Die ersten Sommerbienengenerationen schlüpfen, deren Leben nach rund sechs Wochen schon wieder vorbei ist. Die Legeleistung der Königin steigert sich rasch, die Brutfelder wachsen stetig. Das Bienenvolk wächst und wächst während der nächsten Wochen, die Imkerin gibt ihm Raum und Möglichkeit, den unbändigen Bautrieb auszuleben, Wabe um Wabe.

Und auf dem Zenit seiner Entwicklung, wenn das Volk seine maximale Stärke erreicht hat, fällt der Schwarm. Das Bienenvolk teilt sich, in zwei, drei oder noch mehr Teilvölker, die jeweils einen neuen Staat bilden, und die Entwicklung beginnt von neuem. Aber soweit ist es noch nicht...