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Klimawandel

Abseits der großen Weltpolitik, welche gerade durch ein sehr mutiges Mädchen aus Schweden auf links gekrempelt wird, gibt es auch Klimaveränderungen in einem kleinen Bergischen Dorf. Die Imkerin hat die letzten Wochen vor dem Herbst noch genutzt, um ihre Standardbeuten zu verbessern und somit den Bienen bessere Rahmenbedingungen zu geben. Im Sommer hatte sich eine Arbeitsgruppe gegründet, welche sich mit den Konzepten von Torben Schiffer beschäftigt. Diese beinhalten ganz generell eine Verbesserung des zu kalten und zu feuchten Klimas in unseren Bienenstöcken. Die Zusammenarbeit in der Gruppe ist unglaublich motivierend und inspirierend;  begonnen haben wir mit den Themen Klimadeckel und Strohschiede.

So habe ich zum einen diverse Strohschiede für Bienenbox und Einraumbeute gebaut, welche links und rechts vom Volk hängen und etwas mehr Wärmedämmung bieten. Für große Völker wird der Effekt gerade in der Trogbeute vernachlässigbar sein, aber kleinere Einheiten lassen sich damit doch sehr gut unterstützen. Das Ziel ist außerdem, die Feuchtigkeit in den Ecken zu verringern, was immer wieder zu Schimmelbildung führt. Beim freundlichen Demeterbauern Henn aus Much habe ich das Stroh eigenhändig im Schweiße meines Angesichts vom Feld geholt. Es handelte sich um Hafer- und Weizenstroh. Erst nachdem die Schiede bereits in den Völkern steckten, habe ich erfahren, dass man am besten Roggenstroh nimmt, da dieses aufgrund seines hohen Gehalts an Kieselsäure von den Bienen nicht angeknabbert wird. No risk no fun, ich gehe das Risiko nun ein und warte mal ab, ob die Damen die Schiede bis zum nächsten Frühjahr komplett zerlegt haben, oder noch was übrig lassen.


Ein weiteres Projekt war die Anfertigung von Klimadeckeln für die Dadantbeuten. Auch hierbei geht es darum, die Feuchtigkeit aus den Stöcken herauszubekommen, damit das Innenklima trockener wird. So wird über den Deckel die Feuchte nach oben hin abgeleitet, die Wärme bleibt jedoch erhalten. Zwei verschiedene Versionen, jeweils basierend auf einem Honigraum, habe ich angefertigt.

Version 1: Der Innendeckel wurde von der gepressten Standarddämmung befreit und die Holzfläche mit Hilfe einer Bohrmaschine perforiert. Auf den Innendeckel habe ich dann mittels Holzdübeln (Vermeidung von Metall) einen Honigraum befestigt. Dieser wurde zuvor noch seiner Alu-Auflageschienen beraubt. Die Auflageflächen zwischen Deckel und Honigraum habe ich zusätzlich mit Holzleim dick eingestrichen, vor allem die Lüftungssenken des Innendeckels. Somit ergeben Innendeckel und Honigraum eine Einheit, die man im Ganzen abnehmen kann. In diese Einheit kommt zuunterst eine dicke Strohschicht von rund 10 cm. Das Stroh ist ungedroschen, die Halme also noch lang und können somit auf das Innenmaß des Deckels gekürzt werden. Das Korn wird auch zuvor abgeschnitten. Auf diese Strohschicht kommt eine dicke Schicht Schafswolle (nur das Fließ, ohne Leder), von glücklichen Schafen aus der Region. Der Schafswolle wird zum Teil nachgesagt, dass sie die Feuchtigkeit nur schwer wieder abgibt. Ich werde das beobachten, und wenn sie tatsächlich feucht wird, kann ich die Wolle schnell gegen Kleintierstreu austauschen. Dazu muss der Stock gar nicht geöffnet werden. Zum Schluss noch Abstandshalter zum konischen (!) Außendeckel, damit die Luft zirkulieren und nach außen wegströmen kann. Die ursprüngliche Isolierung des Innendeckels habe ich spontan als Auflage für den Außendeckel verwendet. Kann ich nicht erklären, aber ich habe ein besseres Gefühl damit. Von dieser Version habe ich Deckel für zwei Völker angefertigt.

 

Version 2: Ein Jute- oder Leinentuch wird auf die Oberträger gelegt, zuvor mit Propolislösung getränkt und trocknen gelassen. Das Propolis sorgt dafür, dass die Bienen das Tuch nicht durchknabbern, sondern weiter verpropolisieren. Darauf der Honigraum, ebenfalls ohne Alu-Auflageschienen, um Metall zu vermeiden, welches schnell zu Kondensation führen kann. In den Honigraum habe ich dann einen Umschlag auch aus Jute gelegt und dort hinein eine Mischung aus dicker Strohschicht und Kleintierstreu. Die Jute lässt sich oben überschlagen, Abstandshölzer halten den Außendeckel wieder auf Abstand. Besser wäre die Anfertigung eines passenden Kissenbezugs, damit beim Abnehmen des Deckels vom Inlay nichts seitlich herausrieselt. Darum werde ich mich im nächsten Frühjahr kümmern, jetzt stört es mich nicht mehr, denn für den Rest des Jahres wird dieses Volk nicht mehr geöffnet.

Die Böden halte ich mit den Bodenschiebern (Windeln) geschlossen, und schon jetzt ist eine Besserung sichtbar. Während es bisher in den Windeln immer einen schmierigen Tröpfchenfilm gab, sind sie jetzt trocken. Im nächsten Jahr geht es dann an das Thema Habitatböden. Ich werde berichten.